Februar 25. Ich kaufe auf dem Wochenmarkt meines Vertrauens einen wunderschönen gelben Hibiskus. In voller Blütenpracht steht er da und wartet darauf von mir eingepflanzt zu werden. Für mich steht diese sonnige Blume für „Aloha“, es ist ein Lebensgefühl. Hawaii zieht mich eine lange Zeit an, wie das Licht die Motte. Ich gucke viele Dokus, um verstehen zu könnten, was es ist. Was macht den Hawaiianer glücklich? Mein größter Wunsch, ich will dort leben. Kleiner Spoiler, ich ziehe weder dorthin, noch mache ich Urlaub. Trotzdem finde ich genau die Erkenntnis, die ich brauche. Es dauert nicht lange da steht mein Hibiskus in unserem Vorgarten, genau neben der Kaffeepflanze und dem Olivenbaum. Er sieht gar nicht gut aus, gelbe Blätter zieren ihn. Wenn sich jemand mit Pflanzen auskennt, dann ist es meine Schwiegermutter. Ich schnappe mir mein Handy und rufe sie über WhatsApp Video an. Tja, anscheinend habe ich ich ihn überwässert. Alles klar, ich achte drauf, dass er weniger Wasser bekommt. Im Internet steht, man kann auch mit Kaffee düngen. All das, mache ich und, siehe da, er erholt sich. Von Blütenpracht fehlt aber trotzdem noch jede Spur. Sobald er Knospen hat, fallen sie instand ab. Meine Schwiegereltern sind zu Besuch und sagen, der wird nichts mehr, ich solle ihn lieber rausnehmen und einen neuen einpflanzen. Ich habe keine Ahnung von Pflanzen aber ich weiß ich, „no way“ der bleibt.
3 Tage später. Ich schaue aus der Tür und sehe meinen kleinen Hibiskus mit zwei gelben Blüten und 1 Jahr später, glänzt er in voller Pracht. Ein Zeichen? Eine Metapher?
Diese wunderschöne Blume hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, weiterzumachen. Das nicht jeder Rat ratsam ist und das man IMMER auf sein Bauchgefühl hören darf.
Der eine blüht früher, der andere später und ein anderer immer mal wieder aber Fakt ist, wir alle werden blühen!!! Eine ganze Zeitlang denke ich, um glücklich zusein, muss ich nach Hawaii. Ich verstehe eine lange Zeit nicht, dass ich es bin, die mich glücklich machen kann. Und wenn ich 10 mal nach Hawaii geflogen wäre, hätte ich niemals erfahren was Aloha bedeutet. Heute weiß ich es, weil es in mir steckt.
„Der Ruf des Walds“
Ich gehe raus, mein Rucksack immer dabei.
Zwei Minuten später stehen mein kleiner süßer Spitz-Welpe Tyson und ich im Park. Ich war vorher noch nie hier, obwohl ich quasi aus meinem Schlafzimmerfenster rüber springen kann. Er ist so dicht mit Bäumen bewachsen, dass ich, wenn ich zwischen den Wegen gehe, das Gefühl habe, in einem wunderschönen Wald zu stehen. Und das nur 300 Meter von meinem Haus entfernt.
Ich spüre den Wind in meinen Haaren, die Sonne strahlt mir durch die Baumkronen ins Gesicht. Ich schaue nach oben. Die Blätter rascheln, es riecht nach Frühling. Mein Nervensystem beginnt runterzufahren. Ich werde ruhiger, und mich packt eine gewaltige Umarmung aus Glück. Ich fühle mich so leicht wie lange nicht mehr. Zum ersten Mal seit Jahren bin ich verbunden. Was das überhaupt bedeutet, verstehe ich allerdings erst viel später.
In diesem Moment gehört die Welt mir. Ich stelle meinen Rucksack ab und genieße mein Hier und Jetzt. Mir wird auf einmal richtig warm, und ich fühle mich geborgen. Tyson und ich verweilen knapp eine Stunde an diesem wundervollen Ort.
Mit diesem mir lange vergessenen Gefühl gehe ich zurück nach Hause. Ich schmeiße meinen Rucksack voller Elan in die Ecke. Aber ja, was soll ich sagen? Er bleibt nicht lange dort. Wie ein verdammter Magnet schnallt er sich auf meinen Rücken, als würde er mir sagen wollen: „Hallo, vergiss mich nicht.“ Und da sind sie wieder, die Sorgen.
Wie zahle ich die Inkassos? Warum brauche ich Speed, um meinen Tag halbwegs zu überstehen? Und wo bekomme ich Geld her, um es im Online-Casino zu vermehren?
Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, was dieser magische Ort mit mir macht, aber von da an bin ich täglich dort.
Ich ziehe nach Malta, und jeder, der Malta kennt, weiß, dass diese Insel nicht gerade für ihre üppige Natur bekannt ist. Ich bin total unglücklich. Mir fehlt diese Ruhe, diese Leichtigkeit, dieses Momentum, welches ich im Wald habe.
Also, was war das Erste, was ich gemacht habe, wenn ich zu Besuch in Deutschland war? Richtig: ab in den Wald, raus in die Natur.
Ich ziehe nach Lissabon, und eine meiner ersten Amtshandlungen: Ich gehe in den Wald.
Der Wald spielt eine immer größere Rolle in meinem Leben, aber warum, verstehe ich erst Jahre später. In einen Live-Call mit meinem Mentor, wird mir bewusst, dass der Wald mein Schlüssel ist. Er ist das, was mich in schweren Zeiten getragen hat. it, then start writing!
